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Mut zur Wut "Engagiert Euch!", "Verändert!" - so lauten die Titel der aktuellen Sachbücher, die zum "Ende des Gehorsams" auffordern und uns "Systemtrotteln" dazu raten, endlich zu wehrhaften Wutbürgern zu werden. Unmutsbekundungen zum Nachlesen. von MANFRED GRAM und MICHAELA KNAPP |
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Korruptionsskandal, Bankenkrise, Bildungsmisere, Stillstand jeglicher Verwaltungsreformen, dubiose Machenschaften der Parteien, Politiker und Kammern, und: fehlende Kontrolle allerorts. Viel Mut braucht es da wohl nicht mehr, zum Wutbürger zu werden. Und Optimismus wäre diesbezüglich wohl auch nur eine Form von Informationsmangel. Entmutigt. Eigentlich sei es ohnehin pervers, so die Publizistin, dass man in Österreich, wenn man sich in das eigene politische System einmischen will, Mut braucht. Aber vor allem die Jugend ist entmutigt. Denn das ungeschriebene Gesetz der Eltern für den Nachwuchs lautet: Halt den Mund, häng dich ja nicht raus, studier brav, leg die Ohren an und schau, dass du schnell Karriere machst! Wahre Idealisten sind gegenwärtig die Altvorderen, wie die Autoren der aktuellen Wutbücher von Hugo Portisch bis Christoph Chorherr belegen. Während sich die jungen Leute in Österreich um ihre Karriere kümmern, brodelt es bei der Generation 50plus, weil die das Gefühl hat, dass alles den Bach runtergeht. Aktuelle Auslöser des aufkeimenden Unmuts sind tiefe Verunsicherung,was die Weltwirtschaft betrifft, und vor allem der massive Vertrauensverlust. Auf der anderen Seite bleibt das ungute Gefühl, irgendwie schon auch selbst daran schuld zu sein. Und das, so Rohrer, "brennt in der österreichischen Seele, wo wir doch dazu neigen, immer jemand anderem die Schuld zu geben: Wir sind eine Sündenbockgesellschaft, Jörg Haider hat das politisch perfektioniert." Rohrer will die Leute vom Jammern und Kritisieren endlich zum aktiven Handeln bewegen. Raus aus dem Hamsterrad. "Es ist Zeit" ist auch Motto des Wirtschaftsphilosophen-Duos Eugen Maria Schulak und Rahim Taghizadegan. Die beiden fordern in ihrem Buch "Vom Systemtrottel zum Wutbürger" dazu auf, das Hamsterrad der "Blödmaschine" zu verlassen und sich des eigenen Verstands zu bedienen. Zu diesem Zweck haben die Vorstände des Instituts für Wertewirtschaft eine "philosophische Diskussions-Praxis" gegründet, um, wie Schulak salopp formuliert, "in den Köpfen der Menschen für frischen Wind zu sorgen". Denn: "Wut kann eine positive Rolle spielen, weil sie einen davor bewahrt, auf offensichtliche Dinge reinzufallen, und hilft, Alternativen aufzubauen." Treffen der Unzufriedenen. Um etwas gegen politische Missstände zu unternehmen und eine kritische Öffentlichkeit zu schaffen, lädt Anneliese Rohrer seit einiger Zeit zum Stammtisch der "Wut- und Mitbürger". Das Treffen musste aufgrund des großen Interesses vom Kaffeehaus ins Burg-Kino verlegt werden, wo sich mittlerweile weit über 100 Protestbürger einfinden. Der nächste Stammtisch findet am 14. 11. um 17 Uhr statt. Und dann, so Rohrer, "kommt die Stunde der Wahrheit". Es soll um die Gründung von Aktionsgruppen und konkrete Zusammenarbeit gehen. "Es haben sich drei Themen herauskristallisiert, die den Leuten unter den Nägeln brennen: die Schuldenmacherei, die Bildungsmisere und der Föderalismus." Anneliese Rohrer hofft, mit ihrem Engagement etwas auszulösen: "Meine große Sorge ist, dass, wenn es wirtschaftlich wirklich schlimm wird, die Leute bereit sind, ihre Grundrechte und demokratischen Freiheiten aufzugeben, um schamlosen Populisten zu folgen." Ähnliche Ängste formulieren auch die Wirtschaftsphilosophen Schulak und Taghizadegan: Politik und Politiker sind schlecht wie noch nie. Populistische Kräfte werden mit Sicherheit diese Wut nützen können. Man kann nur hoffen, dass sich dann nicht allzu viel aufschaukelt." |
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