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Buchpräsentation
14. Dezember 2009 Östereichischer
Gewerbeverein, Wien
(Podiumsdiskussion mit Dr. Herbert Unterköfler,
Dr. Eugen Maria Schulak, Dr. Barbara Kolm & Ernst Swietly)
Buchpräsentation
15. Dezember 2009 Institut
für Wertewirtschaft, Wien
(Podiumsdiskussion mit Dr. Herbert Unterköfler
und DI Rahim Taghizadegan)
Enzyklopädisches
Stichwort
Die Wiener
Schule der Nationalökonomie, auch als Österreichische Schule
der Nationalökonomie oder als Austrian School of Economics bezeichnet,
ist eine im letzten Drittel des 19. Jahrhunderts von Carl Menger in
Wien begründete und bis zum heutigen Tag lebendige Lehrtradition,
die ab der Jahrhundertwende maßgeblichen Einfluss auf die Ausbildung
und weitere Entwicklung der modernen Sozial- und Wirtschaftswissenschaften
in Europa und den USA erlangte.
In den 30er
Jahren des 20. Jahrhunderts drängte ein allgemeiner ökonomischer
Paradigmenwechsel die Wiener Schule zunehmend ins akademische Abseits.
Durch die Abwanderung vieler ihrer Vertreter aus Wien und schließlich
die Vertreibung ihrer letzten noch verbliebenen Repräsentanten
nach der nationalsozialistischen Machtübernahme wurde diese Entwicklung
weiter verstärkt. Nach dem Zweiten Weltkrieg vermochte sich die
Wiener Schule, die vielen als intellektuelle Erbschaft der französischen
und englischen Aufklärung sowie des politischen und wirtschaftlichen
Liberalismus galt, im Klima des großkoalitionären Einvernehmens
in Österreich nicht mehr neu zu konstituieren. In den USA konnten
Ludwig von Mises und Friedrich August von Hayek mit ihren wissenschaftlichen
Publikationen und ihrer Lehrtätigkeit die Tradition jedoch mehr
oder weniger aufrechterhalten, so dass sie ab den 70er Jahren als Modern
Austrian School of Economics eine Renaissance erlebte.
Bis 1938
war das Forschungsprogramm der Wiener Schule von einer erstaunlichen
Vielfalt sowie von unterschiedlichen, in manchem sogar widersprüchlichen
Schlussfolgerungen geprägt. Was die etwa 40 Ökonomen einte,
war aber vor allem die Überzeugung, dass hinter dem wirtschaftlichen
Geschehen als maßgebender Akteur ein subjektiv empfindendes und
handelndes Individuum steht. Aus dieser Überzeugung wurden Erklärungen
zu wirtschaftlichen Phänomenen wie Wert, Tausch, Preis, Unternehmergewinn
oder Zins abgeleitet und nach und nach zu einer umfassenden Geld- und
Konjunkturtheorie ausgebaut. Diese subjektiv-individualistische Perspektive
und Methode ließ Kollektive jedweder Art als unwissenschaftliche
»Konstrukte« erscheinen, was zu heftigen – und die
Schule festigenden – Kontroversen mit den Marxisten, der deutschen
Historischen Schule und später den Vertretern der Planwirtschaft
bzw. des Staatsinterventionismus führte.
In der Modern
Austrian School of Economics rückten dann Fragen zum Wissen, zur
Geldtheorie, zum Unternehmertum, zum Marktprozess sowie zur spontanen
Ordnung stärker in den Vordergrund, Themen, die bereits in der
älteren Wiener Schule mit erstaunlicher Weitsicht aufgegriffen
worden waren. Der vorliegende Band stellt den Versuch dar, dieser facettenreichen
Tradition, ihren Ideen, ihren Menschen und ihren Institutionen nachzuspüren
Inhalt
Vorwort des Herausgebers
Einleitende Worte
1. Das Wien der frühen
Gründerzeit
2. Die Nationalökonomie als Universitätslehrfach
3. Die Entdeckung des Ich: Die Theorie des subjektiven Wertes
4. Die Entstehung der Wiener Schule im Methodenstreit
5. Carl Menger: Der Begründer der Wiener Schule
6. Zeit ist Geld: Die österreichische Kapital- und Zinstheorie
7. Friedrich von Wieser: Vom Nationalökonomen zum Gesellschaftswissenschafter
8. Eugen von Böhm-Bawerk: Nationalökonom, Minister, Edelmann
9. Emil Sax: Der Eremit von Voloska
10. Weitere Menger-Schüler und Unterstützer
11. Geld regiert die Welt: Die monetäre Konjunkturtheorie
12. Joseph A. Schumpeter: Ein schillernder Einzelgänger
13. Schumpeters Theorie der wirtschaftlichen Entwicklung
14. Die Kritik der Wiener Schule am Marxismus
15. 1918 und die Folgen: Der drohende Zerfall
16. Zwischen den Kriegen: Von der Neuformierung bis zum Exodus
17. Ludwig von Mises: Der Logiker der Freiheit
18. Friedrich August von Hayek: Grandseigneur zwischen den Welten
19. Weitere Mitglieder der jüngeren Wiener Schule
20. Die Praxeologie, ein Neubeginn von Ludwig von Mises
21. Friedrich August von Hayeks Gesellschaftsmodell und dessen Theorie
der kulturellen Evolution
22. Der Unternehmer
23. Das ausgeschlagene Erbe: Österreich und die Wiener Schule nach
1945
24. Die Renaissance der Wiener Schule: Die Austrian School of Economics
Anmerkungen
Abkürzungsverzeichnis
Auswahlbibliographie zum Einstieg
Literaturverzeichnis
Einleitende Worte
Ein
eigenartiger Zufall wollte es, dass die Autoren nach mehrjährigen
Vorarbeiten und zahlreichen Unterbrechungen ihr Manuskript genau zu
jener Zeit fertigstellten, in der die Anzeichen einer globalen Krise
im Finanzsektor plötzlich für alle sichtbar wurden. Seither
scheinen die wirtschaftlichen Entwicklungen viele grundlegende Erkenntnisse
der Wiener Schule der Nationalökonomie, besonders in der Geld-
und Konjunkturtheorie, zu bestätigen. Eine über viele Jahre
hin verfolgte Niedrigzins-Politik in den USA sowie eine stete Ausweitung
der Geldmenge und der Geldsurrogate in den Industriestaaten scheinen
Fehlallokationen im gigantischen Ausmaß angehäuft und unzählige,
nicht nachhaltige Geschäftsmodelle hervorgebracht zu haben.
Die Versuche der Industriestaaten, mittels staatlicher Interventionen
diesen aufgestauten Korrekturbedarf hintanzuhalten, werden im besten
Falle zu einem trügerischen Zeitgewinn, aber kaum zu einer echten
Lösung führen. Die erstaunlich entschlossenen staatlichen
Interventionen kommen freilich nicht von ungefähr, sind doch die
so genannten Wohlfahrtsstaaten in den letzten Jahrzehnten mit dem Finanzsektor
eine sehr enge Symbiose eingegangen. In keinem anderen Wirtschaftszweig
– wenn man vielleicht von der Rüstungsindustrie in gewissen
Staaten absieht – sind die institutionellen, personellen und
wirtschaftlichen Verflechtungen mit dem Staat so eng wie bei der Finanzindustrie.
So konnte man in den letzten Jahrzehnten vielfach den Eindruck gewinnen,
als ob die Wohlfahrtsstaaten mit der Finanzbranche geradezu darum wetteifern
würden, die makroökonomischen, monetären und marktbestimmenden
Grundgesetze möglichst einfallsreich und opportunistisch zu umgehen.
Während die Wohlfahrtsstaaten über viele Jahre hinweg mit
einer zunehmenden Verschuldung der Staatshaushalte eine Illusion des
wachsenden Wohlstands nährten, fungierten Banken und Finanzinstitute
einerseits als Financiers dieser Defizite und andererseits als werbestarke
Botengänger einer Alles-ist-leistbar-Philosophie für ein breiteres
Publikum. Die Krise, deren ganzes Ausmaß gegenwärtig noch
lange nicht erreicht ist, wird deshalb denkbar tiefgreifende Auswirkungen
sowohl auf die Finanzwirtschaft als auch auf die einzelnen Staaten haben,
viel stärker noch als alle Krisenerscheinungen zuvor.
Die Wiener Schule, die vom Individuum als dem maßgebenden wirtschaftlichen
Akteur ausging und in der Folge individuelle Präferenzen und den
im Rahmen von Märkten erfolgenden intersubjektiven Abgleich dieser
Präferenzen ins Zentrum ihrer Forschung stellte, wies immer wieder
darauf hin, dass Institutionen wie Geld, Staat oder Markt ohne planerisches
Tun oder ohne zentrale Absicht oder Gewalt entstanden waren, allein
auf Grund menschlicher Interaktionen, in einer dem Menschen und der
menschlichen Logik angemessenen und so gleichsam natürlichen Weise.
Diese Grundeinsicht kam freilich all jenen staats- und wirtschaftspolitischen
Ideologien in die Quere, die derartige Institutionen als das Betätigungsfeld
für obrigkeitliche Gründungsakte oder deren Fortgestaltung
ansahen und ganz gezielt die individuelle Präferenzbildung oder
den intersubjektiven Abgleich dieser Präferenzen beeinflussen oder
gar steuern wollten.
Praktisch bedeutete dies für die Wiener Schule, dass sie im Österreich
der Zwischenkriegszeit von rechten wie von linken politischen Parteien
teils heftig bekämpft wurde, sprach sie doch vielen wirtschaftspolitischen
Maßnahmen nicht nur die Legitimität, sondern auch die Wirksamkeit
ab. Darüber hinaus verstand sich die Schule stets als eine universelle
Wissenschaft, in der es für nationale, religiöse oder klassenorientierte
Verengungen keinen Platz gab. In gewisser Weise repräsentierte
sie sogar eine Art Gegenwelt zu vielen Eigenheiten dieses Landes: Sie
war ausschließlich am Einzelmenschen orientiert und erklärte
das individuelle Handeln auf Grund von subjektiven Präferenzen
zum Ausgangspunkt der Forschung; sie ging von einem realistischen Menschenbild
aus, das für idealistische Projektionen denkbar ungeeignet war,
und entzog sich allein schon deshalb billiger politischer Nützlichkeit;
sie war frei von großsprecherischen Utopien, hielt die Prinzipien
der Selbstbestimmung und Gewaltlosigkeit hoch und stand jeder unter
der Flagge des Gewaltmonopols stattfindenden staatlichen Intervention
grundsätzlich kritisch gegenüber. Darüber hinaus lebte
sie ein hohes wissenschaftliches Ethos, das eine selten weltoffene
und tolerante Diskursfähigkeit entstehen ließ.
Unter den vielen geistigen Erbschaften der Donaumonarchie war die Wiener
Schule der Nationalökonomie demnach eine der wenigen Traditionen,
die sich in den politischen Wirren des 20. Jahrhunderts nicht in Verirrungen
und Schuld verfing. Es kommt einer kaum zu überbietenden Chuzpe
gleich, dass gegen die Wiener Schule der Vorwurf der Blindheit gegenüber
den drängenden wirtschaftlichen Fragen der damaligen Zeit erhoben
wurde, und zwar genau von jenen rechten und linken Ideologien, die sich
im 20. Jahrhundert oft genug mit Blut befleckten und Not und Elend
im großen Stil bewirkten. Auch aus dieser Perspektive sperrt sich
die Geschichte und der Inhalt der Wiener Schule gegen jede Vereinnahmung
durch den großkoalitionären Gründungs- und Versöhnungsmythos
der Zweiten Republik.
Vor diesem Hintergrund ist es ein anerkennenswertes Verdienst, wenn
Univ.-Prof. Dr. Hubert Christian Ehalt als Herausgeber der Reihe »Enzyklopädie
des Wiener Wissens« diesem fast schon vergessenen Stück Wiener
Geistes- und Wissenschaftsgeschichte einen Platz einräumt. Trotz
einiger Verzögerungen auf Seiten der Autoren blieb er stets ein
geduldiger und treuer Unterstützer unseres Vorhabens, dem wir uns
zu besonderem Dank verpflichtet fühlen.
Überhaupt scheint es das Wesen jeder umfangreicheren Arbeit zu
sein, dass sich im Zuge ihrer Entstehung eine beträchtliche Dankesschuld
ansammelt, die in wenigen Zeilen kaum abzutragen ist. Dankbar erinnern
wir uns der vielfachen Anregungen, welche die Idee zu diesem Buch schrittweise
heranreifen ließen: Zuerst die ausgiebigen wirtschaftstheoretischen
Diskussionen in der »Haldenhof-Runde« in Kitzbühel
mit dem umsichtigen Gastgeber und profunden Kenner der Wiener Schule
Karl-Heinz Muhr; dann die eingehende Beschäftigung mit dem Ordo-Liberalismus,
immer wieder angeregt von Dr. Rüdiger Stix, der wie kaum ein anderer
Diskussionspartner Wiener Charme mit Belesenheit und intellektueller
Redlichkeit vereint, und schließlich die glückliche Begegnung
mit Univ.-Prof. Dr. Hans-Hermann Hoppe, damals noch an der University
of Nevada, der uns einen aktuellen Blick in die Welt der Austrian School
of Economics in den USA eröffnete und unser Interesse an der fast
schon vergessenen Geschichte der Wiener Schule entscheidend anfachte.
Prof. Hoppe, dessen Freundschaft und Gastfreundschaft eine Reihe an
fruchtbaren Gesprächen nach sich zog, hat unser Projekt dann auch
wohlwollend begleitet und eine Reihe wichtiger Anstöße und
Hinweise beigesteuert.
Bei den recht umfangreichen Archiv- und Literaturrecherchen hatten wir
das Glück, einer Reihe von außergewöhnlich hilfsbereiten
Mitarbeitern in verschiedenen Wiener Bibliotheken begegnet zu sein:
Herr Dr. Ronald Zwanziger von der Universitätsbibliothek Wien machte
sich nicht nur einmal selbst auf den Weg, um in den Tiefen des Bücherspeichers
die eine oder andere bibliophile Rarität zu suchen. Frau Daniela
Atanasovski passte manchmal ihre Mittagspause an die zeitliche Verfügbarkeit
der Autoren an und Frau Gabriela Freisehner von der Fachbereichsbibliothek
Wirtschaftswissenschaften hat neben ihrer kundigen Hilfe auch noch eine
selten gastfreundliche Atmosphäre geschaffen, indem sie mitunter
eine Tasse Wiener Kaffee bereitstellte. Im Universitätsarchiv Wien,
in der Fachbereichsbibliothek Geschichtswissenschaften, in der Österreichischen
Nationalbibliothek und in der Parlamentsbibliothek fanden wir ebenso
freundliche Aufnahme. Ihnen allen, sowie Frau Veronika Weiser, die bei
der Literaturbeschaffung zeitsparende und somit wertvolle Unterstützung
geleistet hat, möchten wir aufrichtig danken.
Im Zuge der Abfassung des Manuskriptes erhielten wir von Dipl. Ing.
Rahim Taghizadegan und Mag. Gregor Hochreiter vom Institut für
Wertewirtschaft in Wien vielfache Hilfe und dankenswerte Unterstützung.
Neben vielen sachverständigen Anregungen und mancher Hilfe bei
Literaturrecherchen haben sie unsere Entwürfe kommentiert sowie
die Letztfassung noch einmal kritisch durchgesehen. Nach Vollendung
dieses Buchprojektes haben wir nicht nur das Gefühl, sehr von ihrem
enormen Fachwissen profitiert zu haben, sondern auch die Gewissheit,
eine uneigennützige und aufrechte Freundschaft empfangen zu haben.
Freundschaftlicher Dank gilt auch Frau Mag. Beate Huber für die
vielen wertvollen Gespräche, die den Erkenntnisprozess entscheidend
förderten. Eine ganz besondere Hilfe war das Lektorat von Frau
Dr. Barbara Fink vom Verlag Bibliothek der Provinz. Dr. Finks scharfer
Blick und Verstand brachte eine erhebliche Menge an fehlerhaften Quellenangaben
zutage, die von den Autoren in der Folge dann berichtigt werden konnten.
Zu Dank sind die Autoren auch jenen Gesprächs- und Diskussionspartner
verpflichtet, die einiges dazu beitrugen, die dramatischen Brüche
in der jüngeren österreichischen Geschichte besser zu verstehen.
Vor allem Univ.-Prof. Dr. Norbert Leser schärfte in vielen freundschaftlichen
Gesprächen unseren Blick für das genuin Austromarxistische
und Univ.-Prof. DDr. Oliver Rathkolb eröffnete manch neue Perspektive
auf den großen intellektuellen Aderlass 1938 sowie auf Schumpeters
Wirken in den USA.
Ein besonderer Dank gilt schließlich Herrn Univ.-Prof. Jörg-Guido
Hülsmann von der Uni-versität Angers/Frankreich, der als profunder
Kenner der Originalliteratur der Wiener Schule und als Mises-Biograph
verschiedentlich wertvolle Ratschläge und Hinweise zur Dogmengeschichte
geben konnte. Liebenswürdigerweise hat er zuletzt auch eine Durchsicht
des Endmanuskriptes auf sich genommen. Selbstverständlich sind
alle verbliebenen Mängel, Unrichtigkeiten oder gar Fehler im Inhalt
oder im Satz ausschließlich den Autoren zuzuschreiben.
Zu guter Letzt ist es uns noch ein Bedürfnis, unseren Dank an die
uns nahestehenden Menschen im engsten Umfeld zu richten: einerseits
an Elvira, für die dieses Buch einige Gelegenheit bot, sich in
der Tugend der ehefraulichen Toleranz zu üben, und an Veit Georg,
der auf manches Fußballspiel mit seinem Vater verzichten musste;
andererseits an Kerstin, die angesichts der radikalen Verknappung freier
Zeiträume stets eine liebevolle Seele und zärtliche Gefährtin
blieb.
Eugen Maria Schulak
/ Herbert Unterköfler
Wien, November 2008
Erfreuliches Signal im Zeichen der Krise
Buchbesprechung der zweiten Auflage von „Die Wiener Schule der Nationalökonomie“
veröffentlicht in: eigentümlich frei (Online-Ausgabe), 7. Oktober 2010
von Andreas Tögel
Wenn ein hochspezialisiertes Buch aus dem Bereich der Wirtschaftswissenschaften bereits neun Monate nach seinem Erscheinen vergriffen ist, dann wurde damit offenbar ein Nerv getroffen. Zwei Jahre nach der ersten, ist nun die zweite Auflage des vom Autorenduo Eugen Maria Schulak und Herbert Unterköfler verfassten Werkes „Die Wiener Schule der Nationalökonomie“ erschienen.
Zweifellos hat die globale Wirtschaftskrise, die zugleich auch eine Krise der neoklassischen Mainstreamökonomie bedeutet, die Nachfrage danach beflügelt. Ein an wirtschaftlichen Fragestellungen interessiertes Publikum sucht nach Antworten, die ihnen die Middle-of-the-Road-Volkswirtschaftslehre nicht zu geben imstande ist. Keiner der hochbezahlten, medial omnipräsenten Vertreter des Keynesianismus, des Monetarismus oder heterodoxer Richtungen der Volkswirtschaftslehre, hatte die Krise kommen sehen. Ja mehr noch – auch nach dem spektakulären Platzen der „Subprime-Blase“ in den USA und allen sich daran anschließenden dramatischen Verwerfungen waren und sind die in Forschung und Lehre führenden Ökonomen völlig ratlos und verfügen über keine konsistente Erklärung des Geschehens. Wie die beiden Autoren in ihrem Vorwort zur zweiten Auflage anmerken, ist die Antwort auf die Frage nach dem Grund für dieses beispiellose Versagen wohl auch im Mangel an erkenntnistheoretischen Grundlagen der „modernen“ Ökonomie zu suchen.
Einzig und allein die Protagonisten der „Österreichischen Schule“, die – zumindest in Kontinentaleuropa – weder von der veröffentlichten Meinung, noch von der Politik wahrgenommen werden, warnten immer wieder vor dräuenden Finanzkatastrophen. Sie taten das am Vorabend des Börsendesasters im Jahre 1929, vor dem Platzen der Blase der „New Economy“ im Jahr 2000 und sie kritisierten stets scharf die hemmungslose Ausdehnung der Kreditmenge, der Schaffung von „Krediten aus dem Nichts“, die letztlich zu den derzeit aktuellen Problemen führte. Die erstaunliche Prognosefähigkeit dieser zu Unrecht im Schatten stehenden Lehre bildet einen guten Grund, mehr darüber erfahren zu wollen.
Die Lektüre der vom Philosophen Schulak zusammen mit dem Juristen Unterköfler vorgenommenen Bestandsaufnahme der von Carl Menger begründeten „Austrian School of Economics“, lohnt in jedem Fall – auch losgelöst von der Betrachtung aktueller Ereignisse. Es handelt sich dabei um ein inhaltlich, sprachlich und handwerklich hervorragend gelungenes Werk. Beide Autoren verstehen sich auf die Quellenarbeit, und sie verfügen über jenes profunde Verständnis für wirtschaftliche Zusammenhänge, das für ein derartiges Vorhaben notwendig ist.
In 24 Kapiteln und mit einer Fülle von Literaturhinweisen wird die turbulente Entwicklungsgeschichte dieser stets in Opposition zum Zeitgeist stehenden Schule von den Anfängen bis zur Gegenwart nachgezeichnet. Kurze Biographien deren miteinander keineswegs stets einigen Vertreter bieten zugleich erhellende Einblicke in die Zeitgeschichte. Sehr interessant ist etwa das Kapitel zu Josef Schumpeter, einen der auch heute noch häufig zitierten Exponenten der Wiener Schule: Jüngster Universitätsprofessor in der Monarchie, 1919 Finanzminister einer roten Regierung und wenige Jahre später Präsident der Wiener „Biedermann-Bank“, die er in den Ruin führte. Ein von ihm seinem Tagebuch anvertrauter Gedanke verdeutlicht seine schillernde Persönlichkeit: „Relativismus liegt mir im Blut.“ Eine Charakterisierung, die auf die übrigen „Austrians“ eher nicht zutrifft…
Die „Österreicher“, die ihr Brot mehrheitlich als Beamte verdien(t) en, standen und stehen im Spannungsfeld zwischen ihren theoretischen Überzeugungen und praktischen Sachzwängen. Dass mit Ausbruch des Ersten Weltkriegs ein großer Teil von ihnen sich direkt in die staatliche Wirtschaftslenkung involvierte, ist zweifellos als Sündenfall zu werten. Immerhin zog wenigstens Ludwig Mises – als einziger der Gruppe – einen Dienst an der Front der Arbeit im Auftrag der Lenkungsbürokratie vor, was ihn moralisch adelt – von seiner überragenden Bedeutung für die Theorie ganz abgesehen.
Die Erläuterung der „Praxeologie“, also der Theorie des menschlichen Handelns, die Ludwig Mises seinen wirtschaftlichen Gedanken zugrunde legte, findet in dem Buch ebenso ihren Platz, wie die Beschreibung der Auseinandersetzung mit John Maynard Keynes in der Zwischenkriegszeit, aus denen dieser als klarer Triumphator hervorging. Die von den „Österreichern“ entwickelte Theorie war für Gesellschaftsingenieure aller Art, ganz besonders aber für die politische Klasse, absolut unattraktiv. Von Lord Keynes indessen bekam diese zu hören, was sie hören wollte: Die absolute Unverzichtbarkeit staatlicher Lenkungseingriffe in die Wirtschaft, die Notwenigkeit zur Schaffung einer künstlichen Staatsnachfrage in Krisenzeiten und die unverhohlene Aufforderung, sämtliche Wirtschaftsabläufe am Ende unter Kuratel der politischen Eliten zu stellen.
Es darf also nicht verwundern, in welch beklagenswerter Position die Wiener Schule sich vor und während des Zweiten Weltkrieges, der Zeit ihres völligen Niedergangs, befand. Danach kam es, gegen den Widerstand des auch im Frieden beharrlich persistierenden Kriegssozialismus, zu einer keineswegs stürmischen Renaissance, die maßgeblich mit dem Namen Friedrich August von Hayek verbunden war. Er kam später, 1974, als einziger „Austrian“ zu Nobelpreisehren. Die Vorstellung der heute aktiven Generation von Ökonomen, die in der „österreichischen“ Tradition stehen, vervollständigt das in dem Werk gezeichnete Bild. Das Buch eignet sich sowohl als Einstiegslektüre, als auch für „Fortgeschrittene“, die darin viele Einzelheiten finden werden, die im Allgemeinen wenig bekannt sind.
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