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Über Wohlhabende und Habenichtse
Umverteilung
ist eine sinnlose Sisyphusarbeit, die noch dazu
moralisch verwerflich ist. Denn sie führt dazu, dass jeder danach
trachtet,
sich auf Kosten jedes anderen zu bereichern.
Copyright: Eugen Maria Schulak
Veröffentlicht in der Wiener Zeitung vom 11. März 2009
Unsere heutige Form der Demokratie,
die man in früheren Zeiten Pöbelherrschaft nannte und vor der kein Philosoph
von Rang jemals den Hut zog, ist eine Regierungsform, die es ermöglicht,
sich auf Kosten anderer Menschen, die man nicht kennt, erhebliche Vorteile
zu verschaffen, ja regelrecht zu bereichern. Als moralische Rechtfertigung
dient die Vorstellung, dass die Ungleichheit der Menschen eine Ungerechtigkeit
darstellt, die es durch Umverteilung zu beheben gilt.
Unabhängig davon ist es eine Tatsache, dass
es viel mehr „Habenichtse“ als Wohlhabende gibt. Da dies
immer schon so war und selbst unter demokratischen Verhältnissen
nicht verändert werden konnte, ist anzunehmen, dass es sich hier
gleichermaßen um ein Natur- wie ein Kulturgesetz handelt, welches
sich prinzipiell nicht verändern lässt. Das Prinzip ist, dass
in jeder Generation die Karten neu gemischt werden und es niemals vorhersagbar
ist, wer die Zukunft für seine Zwecke richtig einschätzen
wird und in der Folge seine Handlungen dahingehend setzt, dass die von
ihm gewünschte Zukunft auch die gewünschten Früchte trägt.
Es müsste einer Herrschaft also gelingen, alle Untertanen inklusive
sich selbst in vollem Umfang zu versklaven und in ihrer Intelligenz
zu reduzieren. Da dies prinzipiell unmöglich ist, wird es wohl
immer Ungleichheit geben, als die im Grunde einzig berechtigte Hoffnung
auf eine bessere Welt. Das bedeutet, dass die Ungleichheit der Menschen
nicht nur nicht verändert werden kann, sondern auch nicht verändert
werden darf und soll.
Aufgrund dieses Sachverhalts sind
die Bemühungen der Demokratie, die in der Umverteilung kulminieren,
nichts anderes als eine sinnlose Sisyphusarbeit, die noch dazu moralisch
verwerflich ist. Die Demokratie läuft gewissermaßen unentwegt
an eine Wand, die sie rein prinzipiell niemals durchbrechen kann und
verursacht sowohl bei jenen, die sie bestiehlt, als auch bei jenen,
denen sie Vorteile zukommen lässt, moralische Defekte.
Eine absurde Folge dieser Defekte ist, dass mittlerweile fast jeder
danach trachtet, sich auf Kosten jedes anderen zu bereichern, ganz unabhängig
davon, ob er selbst zu den Wohlhabenden oder den Habenichtsen gehört:
Wohlhabende Bankrotteure beuten via Staatshilfe die Habenichtse genauso
aus wie die Habenichtse via Sozialhilfe und Förderungen die wohlhabenden
Bankrotteure. Jeder versucht bei jedem möglichst effizient zu parasitieren.
Alles verpöbelt sich.
Nun stellt sich jedoch heraus, dass es gar nichts mehr abzustauben gibt.
Die Kassen sind leer. Dies wird der Politik den Kopf kosten, weil sich
so gut wie jeder betrogen fühlen wird.
Das Ideal der heutigen Demokratie, dass möglichst alle Menschen
von irgendeiner Form von Sozialhilfe oder Subvention leben sollen und
das mit dem arbeitslosen Grundeinkommen nun verwirklicht wird, zielt
auf die totale Verhaustierlichung des Menschen ab. Der Gipfelpunkt der
demokratischen Anthropologie wäre dann ein Mensch, der abhängig,
bedürftig, zahnlos, wehleidig, bemitleidenswert, schwach, also
durch und durch jämmerlich sein Leben fristet. Dann ist die Demokratie
an ihrem Ziel – und wir am Ende. Dann wird es finster.
Die gute Nachricht: Niemals wird dies in vollem Ausmaß gelingen.
Denn jene, die zu den Ungleichen unter den vielen Gleichen gehören
– gottlob – sie werden es zu verhindern wissen.
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