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Über echtes und falsches Geld
Geld
ist, wie jedes gesellschaftliche Phänomen,
äußeres Zeichen einer inneren Einstellung. Beliebig vermehrbares
Geld
weist auf einen Hang zu ungedeckten Scheinwerten hin.
Copyright: Eugen Maria Schulak
Veröffentlicht in der Wiener Zeitung vom 4. März 2009
Über Jahrhunderte siebten die Menschen
im Zuge unzähliger Tauschakte aus der Vielzahl an Gütern jene heraus,
die sich am besten als Geld eigneten. Denn um möglichst effektiv tauschen
zu können, benötigten sie ein Tauschmittel, das sich möglichst leicht
gegen andere Güter und Dienstleistungen eintauschen ließ. Zu Geld wurde
demnach stets jenes Gut, das die höchste Absatzfähigkeit hatte und das
allein deshalb jeder wollte, weil jeder wusste, dass es jeder andere
ebenso will.
Auf Grund ihrer Haltbarkeit, Teilbarkeit, Schönheit,
Homogenität und hohen Kaufkraft setz-ten sich Gold und Silber als
die absatzfähigsten Tauschmittel durch. Diese Metalle wurden auch
über lange Zeiträume hinweg angesammelt und aufbewahrt. Sie
dienten als eine Art Speicher für menschliche Energie sowie als
eine Form der Versicherung gegen die Unvorhersehbarkeit der nahen und
fernen Zukunft.
Von den Machthabern wurde dieses System oftmals hintertrieben. Listig
mischten sie den Gold- und Silbermünzen billige Metalle hinzu und
brachten diese Mischung in neuer Prägung in Umlauf. Die Folge war,
da der Reinheitsgehalt einer Münze mit relativ geringem Aufwand
überprüft werden konnte, dass die Kaufkraft des Geldes sank,
was nichts anderes bedeutet, als dass die Preise zu steigen begannen.
Diese Entwertung bzw. Inflationierung des Geldes führte zu einer
Umverteilung von Gütern von der Bevölkerung zu den Machthabern
und stellte eine Art versteckte Steuer dar.
Da sich Gold und Silber mit der Zeit als unpraktisch erwiesen, gingen
die Menschen dazu über, die wesentlich leichteren Banknoten zu
verwenden. Diese Papierzettel waren ursprünglich nichts anderes
als Lieferscheine, die nur deshalb akzeptiert wurden, weil sie jederzeit
in eine festgelegte Menge Gold eintauschbar waren. Diese Golddeckung
wurde mittlerweile abgeschafft.
Die Folge war, dass die Ausweitung der ungedeckten Geldmenge dramatisch
zunehmen konnte. Ungedeckt ist eine Geldmengenausweitung dann, wenn
die Menge an „Lieferscheinen“ beständig wächst,
ohne dass für sie entsprechende Mengen an Gold oder Silber hinterlegt
werden. Somit ließ sich das Geld gleichsam aus dem Nichts erschaffen:
Die Machthaber konnten mit Hilfe der Zentralbanken Banknoten mit der
Druckerpresse drucken und die Geschäftsbanken konnten durch die
Vergabe von Krediten daraus Buchgeld schöpfen. Irgendwann freilich
kam stets der Zeitpunkt, an dem die Bevölkerung diese betrügerische
Manipulation erkannte und das ungedeckte Papiergeld panisch abstieß.
Geld ist, wie jedes gesellschaftliche Phänomen, äußeres
Zeichen einer inneren Einstellung. Nimmt Gold, also ein nicht beliebig
vermehrbares Gut, die Position des Geldes ein, so konzentriert sich
die Bevölkerung auf den nachhaltigen Aufbau von materiellen wie
immateriellen Werten. Im Umkehrschluss gilt, dass ein beliebig vermehrbares
Gut als Geld, wie etwa Papier, auf eine grundlegende Änderung der
Lebenseinstellung der Bevölkerung hinweist, die dem oberflächlichen
Konsum, dem schnellen Rausch und dem Wohlstand durch Pyramidenspiele
und Kredit ebenso anhängt wie ungedeckten Scheinwerten.
Diese Entwicklung kann jederzeit wieder umgekehrt werden. Dies setzt
vor allem eine persönliche Hinwendung zur nachhaltigen Wertschaffung
voraus, die niemals erzwungen werden kann. Sie muss von jeder einzelnen
Person aus freien Stücken gewählt werden.
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