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Von der Sorge ums Dasein
Macht
entsteht nur, wenn sie zugestanden wird. Die Macht ist nie als solche
da, sie verlangt immer das Zugeständnis.
Copyright: Eugen Maria Schulak
Veröffentlicht in der Wiener Zeitung vom 28. Jänner 2009
Prinzipiell gibt es zwei Möglichkeiten,
sich um seinen Lebensunterhalt zu kümmern: das ökonomische
und das politische Mittel. Sich des ökonomischen Mittels zu bedienen
bedeutet, Produkte oder Dienstleistungen anzubieten, die andere Menschen
freiwillig kaufen. Sich des politischen Mittels zu bedienen bedeutet,
sich mit Hilfe von Gesetzen und unter Androhung von Gewalt einen Teil
dessen anzueignen, was mit Hilfe des ökonomischen Mittels erarbeitet
wurde. Beide Strategien dienen der Sorge ums Dasein. Erstere beruht
auf Freiwilligkeit, zweitere auf Zwang.
Unternehmer und deren Mitarbeiter sowie Gewerbetreibende,
Freiberufler und Selbständige bedienen sich vorwiegend des ökonomischen
Mittels. Niemand muss ihre Produkte oder Dienstleistungen in Anspruch
nehmen. Beamte, Bürokraten und Politiker hingegen bedienen sich
ausschließlich des politischen Mittels. Sie sorgen dafür,
dass von ihnen abhängige Büttel und Schergen mit dem Fleiß
der Bienen Tag für Tag gewaltige Summen in ihren Einflussbereich
schaufeln und unter ihresgleichen verteilen. Widerstand ist zwecklos.
Mit Hilfe dieser gewaltigen Summen werden dann Leistungen erbracht,
denen man sich – im Unterschied zu den Leistungen jener, die sich
des ökonomischen Mittels bedienen – kaum oder gar nicht entziehen
kann. Im Gegenteil: Man ist ihnen ausgeliefert. Und schlimmer noch:
Nicht nur, dass man diese Leistung nicht freiwillig gekauft hat, man
muss sie auch noch unfreiwillig bezahlen. Kaum eine andere Tatsache
kann uns das, was Herrschaft im Grunde ist, besser begreiflich
machen. Zweifellos basiert politische Herrschaft materiell betrachtet
auf dem Raub.
Sich des politischen Mittels zu bedienen hat demnach etwas Unredliches
und Schäbiges. Streng genommen lässt sich diese Stategie sogar
mit dem organisierten Verbrechen vergleichen. Das Argument, dass das
organisierte Verbrechen auf der falschen und jene, die sich des politischen
Mittels bedienen, auf der richtigen Seite stehen, hält eine näheren
Betrachtung nicht stand. Auch der Mafioso sagt, dass er für Sicherheit
sorgt, die Müllabfuhr gewährleistet und Regeln für das
tägliche Miteinander vorgibt. Und es waren stets jene, die sich
des politischen Mittels bedient haben, die Kriege und Massenmord vom
Zaun gebrochen haben. Es ist unmöglich, hier eine klare Unterscheidung
zu treffen.
Die Demokratie der Gegenwart ist diejenige Staatsform, die es am effizientesten
möglich macht, auf Kosten anderer Menschen, die man nicht kennt,
gut zu leben. Mit Hilfe von Förderungen und Subventionen etwa lassen
sich problemlos eigene Ziele verwirklichen. Dass es sich dabei um Geldmittel
handelt, die anderen Menschen unter Zwang weggenommen wurden, kostet
den Profiteuren ein Achselzucken. Da Künstler und Intellektuelle
sich vorwiegend des politischen Mittels bedienen, wird in der Öffentlichkeit
über diesen Sachverhalt auch größtenteils geschwiegen.
Wer in den Sumpf der Bürokratie miteinbezogen wird, ist mundtot.
Gleichzeitig bekommt die Bürokratie so eine Bühne, auf der
sie jederzeit auftreten und sich selbst loben kann.
Das, was die einen verdienen, geben die anderen aus und machen damit
was sie wollen. Der Grund dafür ist ein massives Herrschaftsverhältnis.
Die gute Nachricht: Macht entsteht nur, wenn sie zugestanden
wird. Die Macht ist nie als solche da, sie verlangt immer das Zugeständnis.
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