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Die Politik im Genick
Wer
Politik treibt, schreibt Max Weber, erstrebt Macht,
entweder als Mittel im Dienst anderer Ziele oder um ihrer selbst willen,
um das Prestigegefühl, das sie gibt, zu genießen.
Copyright: Eugen Maria Schulak
Veröffentlicht in der Wiener Zeitung vom 3. Juni 2009
Kasperl: Die einen strahlen
übers ganze Gesicht. Den anderen gelingt das nicht. Die einen wollen
das Rathaus erobern, die anderen uns die Zigarren abschneiden.
Pezi: Zwick, zwack!
Kasperl: Den Klugen hör ich zwar zu, muss aber dann gähnen
wie ein Nilpferd.
Pezi: Uhhaaaa!
Kasperl: Die Lustigsten sind die Peinlichen und die Ordinären
sind furchtbar ordinär.
Pezi: Extraordinär!
Kasperl: Die sind gar nicht souverän. Den meisten ist
anzusehen, dass sie drum betteln, dass wir die Zetteln am Wahltag in
der Pappendeckelzelle an besagter Stelle mit dem Kugelschreiber kreuzerln.
Pezi: Du Kasperl, ich muss mich schneuzerln!
Kasperl: Ja Pezi, schneuz Dich ruhig, aber nicht in die Zetteln,
gell. Weißt, die betteln alle und sagen: Mach dein Kreuzerl und
geh! Na geh! Geh in die Pappendeckelzelle und kreuz uns an!
Pezi: (schneuzt sich in einen Wahlzettel) Das ist mir wuascht!
Kasperl: Aber was wollen die eigentlich? Der Max Weber hat
eine Antwort. Der sagt: „Wer Politik treibt, erstrebt Macht: Macht
entweder als Mittel im Dienst anderer Ziele (idealer oder egoistischer)
oder Macht ‚um ihrer selbst willen‘, um das Prestigegefühl,
das sie gibt, zu genießen“.
Pezi: Der Weber ist ein Streber!
Kasperl: Na geh, hör zu Pezi. Er sagt auch: „Macht
bedeutet jede Chance, innerhalb einer sozialen Beziehung den eigenen
Willen auch gegen Widerstreben durchzusetzen, gleichviel worauf diese
Chance beruht“.
Pezi: Krawuzikapuzi! Das sagt er?
Kasperl: Ja, auch: „Herrschaft soll heißen: Die
Chance, für einen Befehl bestimmten Inhalts bei angebbaren Personen
Gehorsam zu finden“.
Pezi: Hör auf!
Kasperl: Und dann: „Disziplin soll heißen: Die
Chance, kraft eingeübter Einstellung für einen Befehl prompten,
automatischen und schematischen Gehorsam bei einer angebbaren Vielheit
von Menschen zu finden“.
Pezi: (rülpst) Du Kasperl, mir wird schlecht!
Kasperl: Und eines sagt er noch, der Max Weber: „Der
Staat ist ein auf das Mittel der legitimen (d.h. als legitim angesehenen)
Gewaltsamkeit gestütztes Herrschaftsverhältnis von Menschen
über Menschen. Damit er bestehe, müssen sich also die beherrschten
Menschen der beanspruchten Autorität der jeweils herrschenden fügen“.
Pezi: Das sagt das Krokodil auch immer, weil es nicht mag,
dass ich wegrenne, wenn es mich fressen will. Und warum sagt das der
Weber?
Kasperl: Na weil´s doch stimmt. Der war ein Krokodilologe.
Der hat das Krokodil inwendig und auswendig ganz erforscht.
Pezi: Das ist mir aber jetzt nicht mehr wuascht! Dann kreuzen
wir in der Pappendeckelzelle halt wen an, der nicht an die Macht will.
Kasperl: Pezi, mein Spezi, denk nach. So ein Kreuzerl gibt
es nicht.
Pezi: Dann wähl ich die Neo-Liberalen!
Kasperl: Die kannst nicht wählen, Pezi. Außerdem
sind die auch fürs Krokodil, halt fürs „Krokodil-Light“.
Pezi: Ich mag aber überhaupt gar kein Krokodil!
Kasperl: Dann musst Du Dir Dein eigenes Kasperltheater aufmachen
und so gut sein, dass Du so viel Publikum hast und dadurch so viel Geld
verdienst, dass sich das Krokodil brausen kann.
Pezi: Das Krokodil braust sich nie! Außerdem finden's
die Kinder lustig. Die freu'n sich immer, wenn's kommt.
Kasperl: Wart ab.
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