| Wer gewählt wird Im
Grunde ist es relativ egal, wer heute eine politische Wahl gewinnt.
Copyright: Eugen Maria Schulak Wer eine politische Wahl gewinnen
will, der muss Wohltaten versprechen, die mehrheitsfähig sind. Fragt
man sich, was den Massen gerade heute, in dieser überaus vulgären Zeit,
besonders wohltut, so ist es wahrscheinlich mehr denn je die Trägheit,
die man als angenehm empfindet, die totale Abwesenheit von Verantwortung,
die sich in einem geträumten Leben ohne Pflichten, Leistungen und kulturellem
Bewusstsein manifestiert. Im Grund sieht es ganz so aus,
als ob dies alles bereits Realität geworden wäre. Der Wettbewerb
um Wählerstimmen hat dazu geführt, dass wir uns in einem System
befinden, das nur mehr von einem kleinen Teil der Bevölkerung lebt,
welchem jedoch Steuerleistungen abverlangt werden, die es in dieser
Höhe noch niemals gegeben hat. Durch eine gezielte Schuldenpolitik
hat es dieser Konsumsozialismus, den man fälschlicherweise für
einen Kapitalismus hält, sogar verstanden, selbst künftige
Generationen in seinen Ausbeutungsplan miteinzubeziehen. Verkauft wurde
dies alles im Namen der „sozialen Gerechtigkeit“. Auf einer Metaebene sind sich dieser
„Kapitalismus“ und der Kommunismus weitaus ähnlicher,
als man annehmen würde. Beide Systeme legitimierten sich durch
die tatsächliche oder vermeintliche Schaffung von Sicherheit und
Wohlstand. Beide glaubten sie an die Machbarkeit von wirtschaftlichen
und gesellschaftlichen Ordnungen und beide überhöhten sich
in hegelianischer Manier, indem sie den Staat als höchste Form
der Sittlichkeit betrachteten. Beide verstanden sich als miteinander
konkurriende Systeme – und bekanntlich kann es Konkurrenz nur
in derselben Liga oder Sportart geben. Tatsächlich sind beide letztlich
Bastarde des jakobinischen Erbes der Aufklärung. |